Die Tagfalterfamilien im Portrait

In Deutschland gibt es etwa 150 bis 160 Tagfalterarten, die sich auf 6 verschiedene Familien verteilen. Im folgenden möchte ich die Tagfalterfamilien mit ihren in Deutschland vertretenen Arten und Unterfamilien kurz vorstellen. Zu jeder Familie habe ich ein Foto beigefügt, auf dem ein charakteristischer Vertreter abgebildet ist. Zusätzlich zu den deutschen Namen nenne ich auch immer die wissenschaftlichen (lateinischen) Namen, da einige Tagfalter keinen eindeutigen deutschen Namen besitzen.

Die Ritterfalter (Papilionidae)

Schwalbenschwanz Die Ritterfalter sind große und meist prächtig gefärbte Schmetterlinge, die hauptsächlich in den Tropen verbreitet sind. Der größte Tagfalter der Erde, der in Papua-Neuguinea lebende Königin-Alexandra-Falter (Ornithoptera alexandrae), gehört zu den Ritterfaltern.
Nur 5 Arten kommen auch in auch Deutschland vor. Unser bekanntester und häufigster Ritterfalter ist der rechts abgebildete Schwalbenschwanz (Papilio machaon), der gerade in ländlicheren Gegenden mitunter noch häufig auftritt und einer unserer schönsten Schmetterlinge ist. Wesentlich seltener und stark gefährdet ist hingegen der ähnlich gezeichnete Segelfalter (Iphiclides podalirius). Er bewohnt als submediterrane Art vor allem trockenwarme, felsige Gegenden in der Südhälfte Deutschlands und kann zum Beispiel entlang einiger Flußtäler wie Mosel- oder Maintal noch etwas häufiger gesehen werden.
Sehr selten und vom Aussterben bedroht sind hingegen unsere drei Apollofalter-Arten. Der Apollofalter (Parnassius apollo) ist bereits in vielen Mittelgebirgen Deutschlands ausgerottet worden und kommt heute nur noch entlang der Mosel, auf der Fränkischen und Schwäbischen Alb sowie in den Alpen vor. Doch auch diese letzten Populationen sind durch Zerstörung ihrer Lebensgrundlagen durch Verbuschung oder Insektizidanwendung stark gefährdet. Ähnlich bedroht ist der kleinere Schwarze Apollo (Parnassius mnemosyne), der in den Hochlagen einiger Mittelgebirge wie Harz, Rhön oder Schwarzwald sein Dasein fristet. Unsere dritte Apollo-Art, der Alpenapollo (Parnassius phoebus), lebt ausschließlich in den Alpen.

Die Weißlinge (Pieridae)

Aurorafalter Die Familie der Weißlinge ist mit etwa 18 Arten in Deutschland vertreten, die sich in drei Unterfamilien aufteilen. Die Falter sind überwiegend weiß oder gelb gefärbt mit zum Teil schwarzen und orangen Zeichnungen. Die Farben rühren von Harnstoffen her, die in den Flügeln abgelagert sind.
Einige unserer häufigsten Schmetterlinge gehören zur Unterfamilie der Echten Weißlinge (Pierinae), darunter der Große Kohlweißling (Pieris brassicae), der Kleine Kohlweißling (Pieris rapae) und der Rapsweißling (Pieris napi), die alle drei als Schädlinge an Kohlkulturen auftreten und in ganz Deutschland in großer Zahl angetroffen werden können. Auch der im April und Mai fliegende Aurorafalter (Anthocharis cardamines), der auf dem Foto rechts abgebildet ist, gehört zu den Echten Weißlingen. Man trifft ihn vorwiegend auf Buschland oder entlang von Waldrändern an, und die Männchen sind durch ihre orangefarbenen Flügelspitzen auffällig und unverwechselbar.
Ein ebenfalls sehr bekannter Schmetterling, der Zitronenfalter (Gonepteryx rhamni), gehört zur Unterfamilie der Gelblinge (Coliadinae), die im Gegensatz zu den Echten Weißlingen nicht weiß, sondern überwiegend gelb gefärbt sind. Zu den Gelblingen gehört auch die Goldene Acht (Colias hyale), die in einigen Gegenden Deutschlands noch häufiger angetroffen werden kann. Schließlich ist noch der Postillon (Colias crocea) zu nennen, der als Wanderfalter alljährlich aus Südeuropa und Afrika nach Deutschland einwandert, hier jedoch nicht überwintern kann. Im Gegensatz zu anderen Wanderfaltern wie Admiral oder Distelfalter tritt der Postillon allerdings nur selten und vereinzelt auf.
Zuletzt sei noch die Unterfamilie der Dismorphiinae genannt mit nur einem Vertreter in Deutschland, dem Senfweißling (Leptidea sinapis). Dieser kleinste einheimische Weißling ist beinahe rein weiß gefärbt und fliegt im Hochsommer besonders entlang sonniger Waldwege und Waldränder.

Die Bläulinge (Lycaenidae)

Hauhechel-Bläuling Die Familie der Bläulinge ist in Deutschland mit knapp 50 Arten sehr reich vertreten und gliedert sich in drei Unterfamilien auf. Die meisten Bläulinge sind relativ klein, und Männchen und Weibchen unterscheiden sich in Farbe und Zeichnung im allgemeinen deutlich (Sexualdimorphismus).
Durch ein kleines Zipfelchen an den Hinterflügelenden erhielt die Unterfamilie der Zipfelfalter (Theclinae) ihren Namen. Die kleinen Falter sind meist braun oder orange gefärbt, nur der Brombeerzipfelfalter (Callophrys rubi) hat als einziger deutscher Tagfalter eine grüne Unterseite. Besonders gut ausgeprägt ist das Zipfelchen des Birkenzipfelfalters (Thecla betulae), der im Spätsommer besonders in ländlichen Gegenden noch häufiger angetroffen werden kann.
Die Unterfamilie der Feuerfalter (Lycaeninae) ist in zweifacher Hinsicht interessant. Zum einen zeigen viele Arten eine herrlich leuchtende Orangefärbung, teilweise sogar einen metallischen Schiller. Zum anderen sind die meisten Feuerfalterarten in Deutschland sehr selten oder sogar vom Aussterben bedroht. Nur den Kleinen Feuerfalter (Lycaena phlaeas) und den Braunen Feuerfalter (Lycaena tityrus) kann man noch überall häufiger antreffen. In den bergigeren Gegenden Deutschlands ist auch der Dukatenfalter (Lycaena virgaureae) mitunter häufig. Alle anderen Feuerfalterarten sind jedoch ausnahmslos sehr selten und gefährdet.
Die artenreichste Unterfamilie ist die der Echten Bläulinge (Polyommatinae). Die blaue Oberseite der Männchen hat der ganzen Familie den Namen gegeben. Die Weibchen hingegen sind im allgemeinen braun gefärbt. Noch überall häufig ist der Hauhechel-Bläuling (Polyommatus icarus), der auf dem Foto abgebildet ist. Ihn findet man das ganze Jahr über oft zahlreich auf Wiesen und Grasland. Ebenfalls weit verbreitet und häufig ist der Faulbaum-Bläuling (Celastrina argiolus), den man besonders an Waldrändern und auf Buschland antrifft. Die vielen weiteren Arten sind zum Teil nur sehr selten und lokal anzutreffen, da sie auf Grund der Raupenfutterpflanzen an spezielle Lebensräume gebunden sind. Andere Arten sind sehr stark an die Symbiose mit speziellen Ameisenarten gebunden, so zum Beispiel der sehr seltene Schwarzgefleckte Bläuling (Maculinea arion), der auf das Vorkommen der Knotenameise Myrmica sabuleti angewiesen ist, in deren Nestern sich die Raupen entwickeln und verpuppen. Als »Gegenleistung« erhalten die Ameisen von den Raupen einen süßen Drüsensaft. Diese Symbiose zwischen Schmetterlingen und Ameisen ist bei allen Bläulingen mehr oder weniger stark ausgeprägt, die Arten der Gattung Maculinea jedoch können ohne ihre Wirtsameisen nicht überleben.

Die Würfelfalter (Riodinidae)

Frühlings-Scheckenfalter Die Würfelfalter sind mit etwa 2000 Arten in den Tropen weit verbreitet, vor allem in Südamerika. Viele Arten sind sehr bunt gezeichnet und weisen auffällige metallische Flecken auf. In Europa hingegen gibt es nur eine einzige Art, den Frühlings-Scheckenfalter (Hamearis lucina), der trotz des Namens mit den Scheckenfaltern nicht näher verwandt ist und deshalb gelegentlich auch Schlüsselblumen-Würfelfalter genannt wird. Im Gegensatz zu seinen tropischen Verwandten ist der Frühlings-Scheckenfalter klein und unauffällig braun gefärbt. Er fliegt bereits im Frühjahr in einer einzigen Generation, und seine Raupen ernähren sich von Schlüsselblumen (daher der alternative Name Schlüsselblumen-Würfelfalter). Manche Autoren zählen die Würfelfalter nicht als eigene Familie, sondern als Unterfamilie Riodininae der Bläulinge, zu denen sie eine gewisse Ähnlichkeit aufweisen.

Die Edelfalter (Nymphalidae)

Tagpfauenauge Die Edelfalter sind im allgemeinen große und bunt gefärbte Schmetterlinge, die mit etwa 40 Arten in 5 Unterfamilien in Deutschland reich vertreten sind. Im Gegensatz zu den vorangegangenen Familien besitzen alle Edelfalter nur vier Beine, da das vordere Beinpaar zu Putzpfoten umgewandelt ist.
Zur Unterfamilie der Echten Edelfalter (Nymphalinae) zählen einige unserer bekanntesten und häufigsten Schmetterlinge wie das auf dem Foto abgebildete Tagpfauenauge (Nymphalis io) oder der Kleine Fuchs (Nymphalis urticae). Ein bekannter Wanderfalter ist der Distelfalter (Vanessa cardui), der ebenfalls zu den Echten Edelfaltern gehört. Er kann in Deutschland nicht überwintern, fliegt aber in jedem Jahr meist zahlreich aus Afrika ein.
Sehr charakteristisch sind die Arten aus der Unterfamilie der Perlmutterfalter (Argynninae) gezeichnet. Sie sind oberseits orange mit dunkler Fleckenzeichnung, auf der Unterseite besitzen sie mehr oder weniger ausgeprägte Perlmutterflecken. Unser häufigster und größter Perlmutterfalter ist der Kaisermantel (Argynnis paphia), der im Hochsommer entlang lichter Waldwege und Waldränder zu finden ist. Alle anderen Arten sind wesentlich seltener und zum Teil sehr schwer zu unterscheiden, da sie sehr ähnlich gezeichnet sind. Nur der Kleine Perlmutterfalter (Issoria lathonia) ist noch etwas häufiger. Man findet ihn besonders im Spätsommer an blütenreichen Stellen.
Die Arten der verbleibenden drei Unterfamilien sind alle sehr selten und daher kaum zu finden. Die Unterfamilie der Scheckenfalter (Melitaeinae) ist mit einer Anzahl seltener und sehr schwer zu unterscheidender Arten in Deutschland vertreten, von denen zum Beispiel der Rote Scheckenfalter (Melitaea didyma) in trockenheißen, felsigen Gebieten in der Südhälfte Deutschlands angetroffen werden kann und lokal mitunter häufig ist.
Die drei Arten aus der Unterfamilie der Eisvögel (Limenitinae) sind sehr selten und gefährdet. Ähnlich sieht es mit den zwei Arten aus der Unterfamilie der Schillerfalter (Apaturinae) aus. Allenfalls der Große Schillerfalter (Apatura iris) ist noch weit verbreitet und nicht selten. Als Waldbewohner bekommt man ihn jedoch wegen seiner verborgenen Lebensweise nur selten zu Gesicht. Ihren Namen erhielten die Schillerfalter auf Grund des kräftigen Blauschillers auf der Flügeloberseite der Männchen, der durch Strukturschuppen zustande kommt und nur unter einem bestimmten Blickwinkel zu sehen ist. Die Weibchen zeigen diesen metallischen Schiller nicht, sondern sind einfach nur braun gefärbt.

Die Augenfalter (Satyridae)

Waldbrettspiel Die Augenfalter erhielten ihren Namen auf Grund der charakteristischen Augenzeichnung, die mehr oder weniger ausgeprägt auf den Flügeln aller Augenfalter zu finden ist. Die etwa 40 in Deutschland vertretenen Arten sind überwiegend braun oder orange gefärbt und treten in zwei Unterfamilien auf. Manche Autoren betrachten die Augenfalter nicht als eingenständige Familie, sondern als eine weitere Unterfamilie der Edelfalter. Wie diese besitzen auch die Augenfalter nur vier Beine, da das vordere Beinpaar zu Putzpfoten umgewandelt ist.
Die artenreichste Unterfamilie ist die der Satyrinae, der einige unserer häufigsten Tagfalter angehören, zum Beispiel das bekannte Schachbrett (Melanargia galathea), das als einziger einheimischer Augenfalter weiß gefärbt ist. Auch sind seine Augenflecken auf den Flügeln nur schwach ausgeprägt. Sehr zahlreich fliegen im Sommer das Große Ochsenauge (Maniola jurtina) und der Schornsteinfeger (Aphantopus hyperantus), die man im Juli und August beinahe überall, besonders aber auf Wiesen und Grasland, in großen Mengen umherfliegen sieht. Zuletzt seinen noch die Mohrenfalter erwähnt, die ebenfalls der Unterfamilie der Satyrinae angehören und in den Alpen eine große und schwer überschaubare Artenfülle entwickelt haben. Nur wenige dieser dunkelbraun gefärbten Arten kommen auch in den Mittelgebirgen vor, darunter der Rundaugen-Mohrenfalter (Erebia medusa), der Weißbindige Mohrenfalter (Erebia ligea) sowie der etwas seltenere Graubindige Mohrenfalter (Erebia aethiops).
Mit nur 5 Arten ist die Unterfamilie der Elymniinae in Deutschland vertreten. Die häufigste Art ist sicher das auf dem Foto abgebildete Waldbrettspiel (Pararge aegeria), das überall entlang lichter Waldwege und Waldränder fliegt. Meist sitzen die Falter auf besonnten, exponierten Blättern und vertreiben von dort aus jeden, der in ihr Revier eindringt. Die zweite häufigere Art aus der Unterfamilie der Elymniinae ist der Mauerfuchs (Lasiommata megera), der trockenwarme, felsige Stellen aber auch Mauern und dürre Plätze in meist großer Zahl besiedelt. Die Falter sind sehr scheu und fliegen schon bei der kleinsten Beunruhigung auf und davon.

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Impressum | Letzte Änderung: 25. Juli 2011